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Die Geschichte unserer Genossenschaft

Mit 25 Siedlern am 30. August 1921 gegründet, zählt die GWG heute ca. 1.000 Genossenschaftler. Von den Anfängen, Umbrüchen und Neuanfängen erzählen die nachstehenden Kapitel. Gehen Sie mit uns auf die Reise in unsere Genossenschaftsgeschichte:

Von den Anfängen bis 1933

Die Industrialisierung ab Mitte des 19. Jh. hatte große Massen der ehemaligen Landbevölkerung in die Städte geführt. Deren Infrastruktur war darauf überhaupt nicht eingestellt, es herrschte akute Wohnungsnot.

In Halle schlossen sich zunächst Kriegsteilnehmer des I. Weltkrieges, Kriegsversehrte und Hinterbliebene zusammen, um mit geringen Mitteln zu einer preiswerten und gesunden Wohnung zu kommen. Am 30. August 1921 wurde die Siedlungsgenossenschaft „Eigene Scholle“ e.G. m.b.H. gegründet, am 14. Dezember 1921 registriert und 1927 kam es zum Abschluss eines Erbbauvertrages mit dem Magistrat der Stadt.
Der Enthusiasmus der ersten Mitglieder war groß. Beim Ausheben der ersten Grube für die Fundamente der ersten 25 Wohnungen wollten sie nicht auf das schwere Gerät warten. Samt ihren Verwandten hoben sie im ehemaligen Schrebergartenland im Schweiße ihres Angesichts eine Grube aus und buddelten sich selbst quasi hinter hohen Wällen ein. Bei der weiteren Ausschachtung entwickelten sie einen Sinn für angemessenen Aufwand an Kraft und Zeit durch Arbeitsteilung. Der Gemeinschaftsgedanke festigte sich.

Jeder leistete 3 000 Stunden, die Stunde wurde mit 80 Pfennig berechnet.

Als wenig später Unternehmer absagten, beschlossen sie in Selbsthilfe weiter zu arbeiten, obwohl die Hälfte Schwerbeschädigte waren.
Die Inflation machte es fast unmöglich, Bauarbeiter zu bezahlen, so dass die Selbsthilfeleistungen eine noch größere Bedeutung erhielten.
Möglich wurde es auch für angelernte Laien, die Pläne in die Tat umzusetzen durch eine revolutionäre neue Bauweise. Die Zollbauweise funktioniert folgendermaßen: In Bretterverschalungen (die vielfach verwendet werden können) wird von oben Schüttbeton eingefüllt, ein Gemisch aus Kies, Schlacke und Zement. Es bindet innerhalb von ca. zwei Wochen ab und ein steinfester und tragfähiger Mauerkörper mit (für seine Zeit) hervorragenden Dämmeigenschaften entsteht. Dazu kam noch eine spezielle Lamellendach-Konstruktion. Ein kleines Wunder an Wirtschaftlichkeit entstand!

Den Enthusiasmus der frühen Genossenschaftler zeigt auch folgende Episode. Ein über das Kontingent hinausgehender Posten Zement konnte erworben werden, aber nur zur Selbstabholung.
Unterwegs brach das Zuleitungsrohr für Benzin am Laster. Eine üble Panne, die nicht sofort zu beheben war!
Was tat der Beifahrer, ein Genossenschaftler? Er saß während einer 30 km langen Fahrt auf dem Kotflügel und hielt das Zuleitungsrohr zusammen. So konnte noch am selben Tag weitergebaut werden.
Später, nach Ausstattung mit Versorgungsleitungen (Wasser, Strom, Gas) und Zufahrtsstraßen, wurde das Bauen leichter.

Von 1931 bis 1933 wurden 140 Siedlerstellen realisiert.

In den 30er Jahren veränderte sich das Bild.

1934 wurde die Neubautätigkeit wieder aufgenommen, im Ammendorfer und im Dörstewitzer Weg wurden bis 1937 50 Doppelhäuser und Sechsfamilienhäuser errichtet. 1939 wurden noch einmal 106 Arbeiterwohnungen fertig gestellt.

In der Satzung wurden zwangsweise schwerwiegende Änderungen vorgenommen. In einem 1938 verabschiedeten Nachtrag wurde die Vergabe von Wohnungen für Nichtmitglieder geöffnet, sofern sie Mitglieder der NSDAP (oder angeschlossener Organisationen) waren. Hingegen wurden Juden von der Mitgliedschaft ausgeschlossen.

Hatte bei der GWG „Eigene Scholle“ bisher die genossenschaftliche Gleichberechtigung gegolten, so herrschte jetzt das „Gefolgschaftsprinzip“.

Der erst kürzlich erworbene Hanomag-Schlepper und die Bulldog-Zugmaschine wurden von der Wehrmacht eingezogen und dienten nicht mehr dem friedlichen Aufbau. Viele Mitglieder der Genossenschaft wurden zum Kriegsdienst herangezogen. 950 Wohnungen wurden im Krieg beschädigt.

Der schwere Neuanfang in den Nachkriegsjahren

Erbaut, gewerkelt, erhalten: Baufahrzeuge waren immer wieder in Aktion.

Da 950 Wohnungen im Krieg beschädigt wurden, wurde nach dem Krieg als erstes eine eigene Dachziegelproduktion aufgenommen.

Es war viel anzupacken. Durch die allgemeine Zerstörung und den Zuzug Vertriebener herrschte wieder große Wohnungsnot. In den 40er und 50er Jahren wurden zunächst Reparatur und Instandsetzung groß geschrieben. Nach und nach setzten dann Modernisierungen ein. Aus Ställen wurden Garagen. Die Reste eines ländlichen Charakters verschwanden allmählich.

Bangen um den Erhalt der Bausubstanz
Nach DDR-Verfügung, alle rechtlichen Bestimmungen dem Musterstatut für Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaften anzupassen, unterlag die Wohnraumvergabe der zentralen Wohnraumlenkung. Die Generalversammlung der Mitglieder als höchstes Organ wurde durch die Vertreter-Versammlung abgelöst. Erforderliche Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen wurden überwiegend durch die Mitglieder der Genossenschaft in Eigenleistung erbracht, weil die notwendigen Handwerkerkapazitäten fehlten. Dem planwirtschaftlichen Mangel war aber auf Dauer nicht abzuhelfen. Wer bangte nicht um den Erhalt der Bausubstanz?
Die politische Wende – Die Genossenschaft im Zeichen des Umbruchs

1990 – 1992
Erst nach der Wende 1989 konnten die Probleme grundlegend angegangen werden. Von 1990 bis 1992 durchlebte die Genossenschaft eine Phase der Konsolidierung. Man einigte sich auf demokratische Strukturen und die Veräußerung eines Teils des Eigentums, um Mittel für eine beschleunigte Instandsetzung und Modernisierung zu gewinnen.

ab 1993
Komplexe Baumaßnahmen zur Instandhaltung, Modernisierung und die Schaffung von 8.500 qm zusätzlichem Wohnraum durch Dachgeschossausbau konnten 2002 mit einem Investitionsvolumen von insgesamt ca. 35 Millionen Euro zum Abschluss gebracht werden.

Pilotprojekte zur Wärmedämmung vom Keller bis zum Dach über die Fassade bis zu neuen Fensterbrettern wurden durchgeführt. Vergleichs-Messungen haben die erwartete Effizienz bestätigt, sodass ab 2006 bzw. in den Folgejahren das Verfahren weitere Anwendung fand.

Eine günstige Beeinflussung der Betriebskosten liegt schließlich bei den Interessen unserer Mitglieder ganz vorn. Deshalb haben wir auch mit dem Gaslieferanten langfristige Verträge ausgehandelt, so dass die Preisschraube von 2004 an uns vorbei gegangen ist.

Die Kosten für Niederschlagswasser, die an die HWA zu entrichten sind, konnten dank der Verlegung von ÖKO-Pflaster ebenfalls minimiert werden.

Auch für Grünflächenpflege und Hausreinigung/Winterdienst wurden günstige Dienstleister gefunden. Ist es nicht eine Erleichterung, sich nicht mehr darum kümmern zu müssen?

Zumal unsere betagten Mitglieder wird das freuen. Aber auch unsere jungen Leute, zum Teil Mitglieder in der zweiten oder dritten Generation, haben dann mehr Zeit zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Die Notwendigkeit gegenseitiger Rücksichtnahme und nachbarschaftlicher Hilfe kennen sie schon von ihren Eltern und Großeltern – und neu Zugezogenen erklären sie das gern. Sonst sorgt auch noch eine Arbeitsgemeinschaft „Mieter sprechen mit Mietern“ für eine Verständigung zum guten Miteinander.

Was es außerdem Neues gibt in unserer GWG, das erfahren Sie zum Beispiel hier.

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